Wahlprüfstein 2 : Arbeit

Zugang zu Arbeit, als auch die Bezahlung, die berufliche Weiterentwicklung, das Arbeitsklima und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen sind hochgradig diskriminierungsanfällig. 

Aus Studien und/oder unserer Beratungsarbeit ist u.a. bekannt:

- ein nicht-deutscher Name senkt die Chancen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, ebenso wie ein Lebensalter jenseits der 50 oder die Elternschaft bei Frauen

- Migrant_innen und Frauen stoßen an gläserne Decken und erleben erhebliche Entgeltungleichheiten

- es existieren unterschiedliche Standards bei der Bewertung von Leistungen und der Karriereförderung u.a. bezogen auf das Geschlecht, die Herkunft, eine Behinderung

- Menschen machen aufgrund aller Merkmale des AGG Diskriminerungs- und Mobbingerfahrungen am Arbeitsplatz und fühlen sich nicht bzw. zu schlecht geschützt

 

 

Frage 2.1:

Welche Instrumente des Diskriminierungsschutzes betrachten Sie als hilfreich/ wirkungsvoll?

In welchen Sektoren des Arbeitsmarktes und bezogen auf welche Merkmale und welche Aspekte (Einstellung, Lohn, Arbeitsklima, Personalentwicklung, etc.) sehen Sie einen Handlungsbedarf?

 

Frage 2.2:

Welche politischen und rechtlichen Maßnahmen und Initiativen planen Sie zur Durchsetzung eines wirksamen Diskriminierungsschutzes in den kommenden fünf Jahren?

 


Antworten der Parteien 

Bündnis 90/ Die Grünen   •   CDU   •  FDP      DIE LINKE       Die Piraten    SPD


Bündnis 90/
Die Grünen

Frage 2.1 - Instrumente Antidiskriminierung Arbeit

Eine fundierte Antwort auf Ihre Frage nach spezifischen diskriminierungsanfälligen Sektoren des Arbeitsmarktes unter Einbeziehung konkreter Merkmale und diskriminierender Handlungen (Aspekte) würde eine breite Analyse des sächsischen Arbeitsmarktes erforderlich machen. Leider liegt uns GRÜNEN eine solche Studie nicht vor, was eine kurze prägnante Antwort unmöglich macht.

Wir GRÜNE gehen jedoch davon aus, dass alle Sektoren des Arbeitsmarktes potentiell diskriminierungsanfälllig sind. Die Merkmale Geschlecht, Lebensalter, Behinderung, sexuelle Identität/Orientierung oder ethnische Herkunft können jeweils für sich genommen zu Benachteiligungen führen. Sie können sich aber auch abhängig vom Kontext überscheiden oder gegenseitig verstärken. Das verdeutlichen auch die von Ihnen genannten Beispiele. 

Es muss im Freistaat Sachsen insgesamt das Bewusstsein für eine Antidiskriminierungskultur gestärkt werden. Betroffene brauchen zudem niedrigschwellig zugängliche Beratung, deren Finanzierung aus dem Staatshaushalt die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in einem Antrag gefordert hat.

Siehe auch Antworten auf die Fragen zu 1.2 (Verwaltung als Arbeitgeber) 

 

Frage 2.2 - Maßnahmen Arbeitsmarkt

Die erste Aufgabe des neu konstituierten Parlaments nach der Landtagswahl am 31.08.2014 wird die Verabschiedung des Staatshaushalts für die Jahre 2015/2016 sein. 

Wir GRÜNE wollen für den Bereich Antidiskriminierung Haushaltsmittel für 

  • Merkmalsübergreifende, unabhängige, flächendeckende Antidiskirminierungsberatung, 
  • eine Aufklärungskampagne Diskriminierung, 
  • die Schaffung barrierefreier Sozialräume, 
  • die Etablierung von Diversity Mainstreaming in der Verwaltung, 
  • schulische Inklusion, 
  • Schullaufbahnberatung,
  • interkulturelle Sensibilisierung und Öffnung der Verwaltung, 
  • eine Studie, die die Praxis der fächerübergreifenden Unterrichtung des Themas Sexualerziehung untersucht,
  • Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit im Bereich LSBTI verwenden.

Zur zügigen Etablierung einer Kultur der Wertschätzung von Vielfalt, der Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung setzen wir GRÜNE uns für die Durchführung einer Aufklärungskampagne ein, die Diskriminierung aufgrund einer Behinderung, der sexuellen Identität/Orientierung, des Geschlechts, des Lebensalters, der ethnischen Herkunft, von rassistischen Zuschreibungen und der Religion sichtbar macht und sich öffentlich dagegen wendet.

Außerdem wollen wir GRÜNE ein Landesantidiskriminierungsgesetz zur Verbesserung des Diskriminierungsschutzes im Freistaat Sachsen und zur Umsetzung der Europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien erarbeiten.

Darüber hinaus wird auf die unter 1.1. und 1.2. genannten Maßnahmen verwiesen.

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CDU

Anm: Die Fragen 2.1 und 2.2 werden im Zusammenhang beantwortet.

Im Arbeitsleben gibt es verschiedene Punkte, welche Diskriminierungen hervorrufen können. Um darauf zu reagieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Aus unserer Sicht sind dabei Lösungen zu bevorzugen, welche im Miteinander und Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefunden werden. Handlungsbedarfe sehen wir dabei im Be-sonderen in einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehören für uns zum Beispiel gute Betreuungs- und Ganztagsangebote, um die Erwerbsfähigkeit vor allem von Frauen zu verbessern, sowie ein verbesserter Zugang von Menschen mit Behinderungen auf den ersten Arbeitsmarkt. Darauf werden wir weiterhin unser Augenmerk legen. 

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FDP

Anm: Die Fragen 2.1 und 2.2 werden im Zusammenhang beantwortet.

Genauso wie im Bereich der öffentlichen Verwaltung sehen wir auch bei der privaten Wirtschaft die Sensibilisierung aller Mitarbeiter als wirksamste Maßnahme an, um Diskriminierungen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zurückzudrängen. Dabei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabenstellung.

Die Schaffung weiterer gesetzlicher Vorgaben für die private Wirtschaft sehen wir nicht als zielführend an. Betroffene Mitarbeiter werden bereits durch die bestehenden Regelungen des AGG ausreichend geschützt. Gerade für größere Unternehmen gewinnt eine vielfältig zusammengesetzte Mitarbeiterschaft, auch vor dem Hintergrund eines wachsenden Fachkräftemangels, immer mehr an Bedeutung. Diese positiven Entwicklungen im Rahmen des „diversity management“ gilt es zu stärken und zu fördern, ohne jedoch die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Unternehmens in Frage zu stellen.

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DIE LINKE

Frage 2.1 - Instrumente Antidiskriminierung Arbeit

Gleichstellungskultur gibt, setzen wir vor allem auf politische Aktivitäten, um einen wirksamen Diskriminierungsschutz zu sichern. Wir sehen dabei mehrere Komponenten. Dazu gehören u. a. klare und sanktionsbewehrte gesetzliche Regelungen mit Möglichkeiten der Verbands- und der Einzelklage, unabhängige Beschwerdestellen, Beratungsanlaufstellen, Übernahme von Prozesskosten sowie eine umfangreiche Sensibilisierungs-, Weiterbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Für sehr wichtig halten wir in diesem Zusammenhang gesetzliche Quotenregelungen, deren Nichteinhaltung unbedingt mit (finanziellen) Sanktionen verbunden sein muss, wie dies bei der – wenngleich gering bemessenen – Ausgleichsabgabe zur Beschäftigung vom Menschen mit Schwerbehinderung der Fall ist. 

Um das Instrumentarium des Diskriminierungsschutzes wirkungsvoll zum Einsatz zu bringen, bedarf es zudem des abgestimmten Handelns der Politik mit einer Vielzahl von sozialen und wirtschaftlichen Partnern. Im Bereich der Arbeit sind die insbesondere die Tarifpartner. In auszuhandelnden Rahmentarifverträgen sind wirkungsvolle Vereinbarungen zur Einstellungs- und Personalentwicklung, Festlegungen zum Arbeitsklima sowie zu Löhnen und Entgelten zu treffen. 

Da der Handlungsbedarf insgesamt vielfältig ist, sei nur auf einige Punkte verwiesen. So wird sich DIE LINKE für die öffentlich Beschäftigten hinsichtlich des kürzlich in Kraft getretenen Sächsischen Dienstrechtsneuordnungsgesetzes für eine dem Ziel der Antidiskriminierung gerecht werdende Umsetzung einsetzen und dies mit parlamentarischen Mitteln überwachen. Die tausenden öffentlich Bediensteten, die in diesem Zusammenhang Klage gegen den Freistaat Sachsen führen, da sie sich einer Altersdiskriminierung ausgesetzt fühlen, haben deshalb unsere Unterstützung. Großen Handlungsbedarf sehen wir hinsichtlich der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, da diese in Sachsen nach wie vor von konjunkturellen Entwicklungen nicht profitieren. Wir sehen auch Nachholbedarf bei der Besetzung von Führungspositionen in Politik und Verwaltung mit Frauen. Wir setzen uns auch seit langem für weitaus bessere Arbeitsmöglichkeiten von Menschen, die Asyl suchen oder Migrationshintergrund haben, ein. 

 

Frage 2.2 - Maßnahmen Arbeitsmarkt

Die bereits unter dem WAHLPRÜFSTEIN 1 dargestellten Gesetzesinitiativen, die durch DIE LINKE bereits in der fünften Wahlperiode in den Sächsischen Landtag eingebracht wurden, werden konsequent weiterverfolgt. 

Dies sind insbesondere:

  • Gesetz zur Errichtung des Unabhängigen Landesbüros für Bürgeranliegen des Freistaates Sachsen, Landtagsdrucksache 5/13585;
  • Gesetz zur Gleichstellung, Inklusion und selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft (Sächsisches Inklusionsgesetz), Landtagsdrucksache 5/11841;
  • Gesetz zur Neufassung des Vergaberechts im Freistaat Sachsen und zur Änderung weiterer Vorschriften, Landtagsdrucksache Drs 5/9013;
  • Gesetze zur Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann im Freistaat Sachsen – Sächsisches Gleichstellungsfördergesetz, Landtagsdrucksache 5/7135. 

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Die Piraten

Anm: Die Fragen 2.1 und 2.2 werden im Zusammenhang beantwortet.

Wir wollen zum einen fördern, dass die Verwaltung die Diversität der Bevölkerung abbildet und damit auch insgesamt ein Wandel der Arbeitskultur stattfindet. Wir wollen anonymisierte Bewerbungsverfahren in der Verwaltung, um möglicher Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Nationalität, Aussehen, Alter oder weiterer nicht-einstellungsrelevanter Merkmale vorzubeugen.

Neben den von Ihnen genannten Punkten, sehen wir folgende Sachverhalte: Wir fordern, dass der gesetzlich festgelegte Mindestlohn ausnahmslos für alle Beschäftigten gilt, also auch für die Mitarbeiter in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Weiterhin müssen Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit jedem anderem Arbeitnehmer sein. Dass ihre Arbeitslosenquote aktuell bei nahezu 15 % liegt, obwohl es unter ihnen viele qualifizierte Fachkräfte gibt, ist inakzeptabel. Auch dass schon beim Start in das Berufsleben - laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung - Menschen mit Behinderungen seltener Ausbildungsplätze finden, ist nicht hinnehmbar.

Eine Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention muss das erste Ziel sein, da dies viele Probleme vermindern würde. Auf Landesebene sollten Maßnahmepläne erarbeitet werden. Diese sollten durch lokale Teilhabepläne untersetzt werden. Diese Maßnahmen sollten verpflichtend umgesetzt werden und nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden.

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SPD

Frage 2.1 - Instrumente Antidiskriminierung Arbeit

Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, in der Menschen ganz unterschiedliche Leben führen. Unser Sachsen für morgen steht für eine Gesellschaft, in der sich jeder Mensch frei entfalten kann, ohne die Würde und Freiheit anderer zu verletzen. Es steht auch für eine offene und sozial gerechte Gesellschaft, in der jede und jeder ohne Angst verschieden sein kann. Deshalb bekämpfen wir jede Form der Diskriminierung, ob wegen Herkunft, Geschlecht, sexueller Identität, Religion und Weltanschauung, Behinderung oder Alter.

Unser Ziel ist deshalb eine Gesellschaft, in der alle Menschen mitmachen können. Niemand ist perfekt, das wissen wir. Aber in jedem Menschen stecken viele Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese Talente wollen wir entdecken, fördern und einfordern, denn unsere Gesellschaft will und braucht die Beiträge aller. Wer den Leitgedanken „Inklusion“ ernst nimmt – wie wir –der setzt die UN-Behindertenrechtskonvention nicht für Menschen um, sondern mit ihnen. „Dabei sein und mitmachen“ bezieht sich auf alle Lebenslagen und gesellschaftlichen Bereiche. Ein zentraler Punkt ist die Teilhabe am Arbeitsleben. Denn gerade auf dem Arbeitsmarkt mangelt es in Sachsen und Deutschland an Strukturen, um allen eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Wir als SPD setzen uns für mehr Fairness auf dem Arbeitsmarkt ein.

Deshalb wollen wir:

Die Gleichstellung von Leiharbeit und regulären Arbeitsverhältnissen, um den Missbrauch von Leiharbeit zu beenden. Der Grundsatz „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ muss endlich ohne Ausnahme gesetzlich verankert werden.

Die Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung eines Arbeitsverhältnisses abschaffen. Nur rund ein Drittel der jungen Menschen in Sachsen, die eine erfolgreiche Ausbildung absolviert haben, erhält direkt danach eine unbefristete Vollzeitanstellung.

Ein zentraler Ansatz für wirksamen Diskriminierungsschutz ist die Ausweitung von Tarifverträgen – diese sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Hier wollen wir aktiv gegensteuern, indem wir mit einem modernen Vergabegesetz auch soziale Kriterien ermöglichen. Dazu sollen Teile der Wirtschaftsförderung auch an die Einhaltung von Tarifverträgen gekoppelt werden.

Um die Prekarisierung von Arbeit zu begrenzen, brauchen wir einen flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro.

Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt beenden – Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt durch die Überwindung der vorherrschenden Lohndiskriminierung sowie durch den Ausbau von gezielter Karriereförderung. Frauen erhalten in Deutschland bei gleicher bzw. gleichwertiger Arbeit im Durchschnitt immer noch 23 Prozent weniger als Männer:

  • Gesetzliche Verankerung der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, deshalb fordern wir die Beseitigung der Entgeltdiskriminierung in allen Unternehmen durch ein Entgeltgleichheitsgesetz schnellstmöglich umzusetzen.
  • Gesetzliche Frauenquote für Führungspositionen – wir wollen eine Quote von mindestens 40 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände per Gesetz.
  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss in allen Lebensphasen möglich sein. Deshalb fordern wir u. a. eine Teilzeitausbildung sowie die Weiterentwicklung des „Meister-BAföG“ und des BAföG zu einem „Erwachsenen-BAföG“. Dazu gehört auch die Aufhebung von Altersgrenzen für Zulassungen zu Ausbildungsgängen, Stipendien, BAföG usw.
  • Wir wollen das von uns eingeführte Recht auf Teilzeitarbeit mit der gesetzlichen Verankerung eines Rückkehrrechts auf den Vollzeitarbeitsplatz verbinden.
  • Geschlechtergerechte Bildung und Berufswahl.

Maßnahmen einer aktiven Arbeitsmarktpolitik – qualitativ hochwertige Ausbildung, mehr Qualifikation und Weiterbildung (Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz).

Potenziale des Alters viel besser nutzen – wir wollen die Bereitschaft stärken und institutionelle Barrieren abbauen, damit ältere Menschen nicht ausgegrenzt, sondern sich und ihre Fähigkeiten besser einbringen können, deshalb brauchen wir bessere altersgerechte Arbeitsbedingungen und flexiblere Übergänge zwischen Arbeit und Rente.

Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen ihren Lebensunterhalt selbst in einem integrativen Arbeitsmarkt verdienen können – Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, wollen wir durch einen dauerhaften finanziellen Leistungsausgleich fördern.

Integrationsbetriebe sollen eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt bilden. Die Förderung des Übergangs von der Werkstatt für Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt werden wir ausbauen. Barrierefreie Arbeitsplätze, Arbeitsassistenz und eine effektive Betreuung und Förderung am Arbeitsplatz tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt ihren Platz finden und ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen können.

§ 3a Abs. 2 der Arbeitsstättenverordnung ist in dem Sinne zu ändern, dass Arbeitsplätze grundsätzlich so zu gestalten sind, dass sie ohne bzw. mit geringem Aufwand barrierefrei nutzbar sind.

Information von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern über Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach dem SGB IX ist zu verbessern, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeiten und Chancen von Arbeitsassistenz und barrierefreier Gestaltung am Arbeitsplatz.

Betreuung von Arbeitssuchenden soll die Bundesagentur für Arbeit ein bedarfsgerechtes Angebot an barrierefreier beruflicher Weiterbildung bereithalten.

Durchlässigkeit zwischen Werkstatt und dem allgemeinen Arbeitsmarkt muss verbessert werden.

Stärkung des betrieblichen Eingliederungsmanagement gerade mit Blick auf kleine und mittelständische Unternehmen – bessere Hilfestellung und Schulung für Arbeitgeber und Betriebsräte.

Individualisierte Ausbildungsoptionen – Menschen mit Behinderung brauchen z. T. einfach nur mehr Zeit und intensivere Begleitung, um ein Ausbildungsziel zu erreichen. Dafür müssen jungen Menschen mit Behinderung individualisierte Ausbildungsoptionen im dualen Ausbildungssystem angeboten werden. Dies könnte bspw. durch die Modularisierung und das zeitliche Strecken von Ausbildungsgängen möglich werden.

Neue Chancen für Menschen mit Migrationshintergrund am Arbeitsmarkt
Die strukturelle Diskriminierung am Arbeitsmarkt muss besser als bisher – auch mit neuen Ansätzen – bekämpft werden. Unter Diskriminierungserfahrung leiden sowohl Menschen, die auf der Suche nach Arbeit sind, als auch diejenigen, die erfolgreich einen Arbeitsplatz gefunden haben. Von Diskriminierung sind nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. Es trifft auch Ältere oder Frauen mit Kindern. Sie alle haben laut Antidiskriminierungsstelle schlechtere Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Deshalb wollen wir:

  • Diskriminierung beseitigen; Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verbessern
  • Bewerbungsverfahren sind entsprechend der Zielrichtung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes anonymisiert durchzuführen 
  • Arbeitsmarktpolitische Instrumentarien an den spezifischen Bedürfnissen von Menschen mit Migrationshintergrund ausrichten; berufliche Deutschförderung stärken; Ausweitung des Programmes „Integration durch Qualifizierung“
  • Beratung und Fallmanagement auf die Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund ausrichten 

Faire, sichere und gut bezahlte Arbeit muss zu einem Standortmarkenzeichen für den Freistaat Sachsen werden – die Fortsetzung der Niedriglohnstrategie von CDU und FDP führt zu Wettbewerbsnachteilen und zur Abwanderung von Fachkräften. In Sachsen und Deutschland muss auf dem Arbeitsmarkt wieder Ordnung geschaffen werden. Dazu gehören Spielregeln, die den Unternehmen ebenso helfen wie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

 

Frage 2.2 - Maßnahmen Arbeitsmarkt

Die SPD wird sich im Bund in dieser Legislaturperiode dafür einsetzen, dass die Eingliederungshilfe mit dem Bundesteilhabegesetz zu einem modernen Teilhaberecht weiterentwickelt wird. Unser Ziel ist es dabei, Menschen mit Behinderungen eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe und eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Mit dem neuen Bundesteilhabegesetz sollen Menschen mit Behinderungen aus der sozialen Nische der Bedürftigkeit herausgeholt werden. Sie sollen im Geiste der UN-Behindertenrechtskonvention endlich ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben führen können. Hierzu zählt für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, dass die Leistungen zur sozialen Teilhabe zukünftig personenzentriert gestaltet und aus der Sozialhilfe herausgelöst werden. Somit gehört die Anrechnung von Einkommen und Vermögen auf den Prüfstand.

Schwerbehindertenvertretungen müssen gestärkt werden. Arbeitgeber müssen weiterhin für die Potentiale von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert werden. Zudem müssen für Werkstattbeschäftigte der Übergang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtert, aber auch Rückkehrmöglichkeiten in die Werkstätten garantiert werden. Das neue Bundesteilhabegesetz muss die vollständige Wahlfreiheit zwischen einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt und einer Beschäftigung in einer Werkstatt von Beginn an sicherstellen.

Im Freistaat Sachsen hat die SPD einen eigenen Entwurf eines Sächsischen Inklusionsgesetzes für Menschen mit Behinderung vorgelegt. In diesem Gesetzen bedeutet „Inklusion“ für uns die institutionelle, soziale, kulturelle, räumliche sowie ökonomische und berufliche Einbeziehung von Menschen mit und ohne Behinderung in die Gesellschaft von Beginn an. Ihre Teilhabe, also das Einbezogen sein in eine Lebenssituation oder einen gesellschaftlichen Prozess, müssen Gesellschaft und Staat unterstützen und ermöglichen. Deshalb wollen wir: 

  • Umfassende Barrierefreiheit in Kommunikation, Bauten, Sozialräumen und Verkehrsmitteln. Barrierefreiheit erleichtert nicht nur Menschen mit Behinderungen das Leben, sondern auch älteren Personen oder Eltern mit kleinen Kindern.
  • Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) als Amtssprache. Wo im öffentlichen Raum kein anderer Kostenträger für Dolmetscherleistungen aufkommt, muss der Freistaat Sachsen einspringen.
  • Öffnung der Bildungseinrichtungen und Unterstützung bis zum individuell höchstmöglichen Bildungsabschluss.
  • Recht auf freie Wahl des Wohnraums, was die Schaffung ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum in den Kommunen bedeutet.

Unterstützung bei der Aufnahme einer Beschäftigung und stärkere Durchlässigkeit zwischen allgemeinen Arbeitsmarkt und bspw. Werkstätten.

Wir denken aber auch über die Arbeitswelt hinaus. Menschen mit Behinderung wollen reisen, ins Theater oder ins Museum gehen, eine Familie gründen, selbstbestimmt wohnen und Vieles mehr. Dafür brauchen wir inklusive Sozialräume.

Weitere Maßnahmen und Initiativen sind in der Antwort auf Frage 2.1. beschrieben mit dem Ziel mehr „Fairness auf dem Arbeitsmarkt“ sicherzustellen.

 

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